Adventskonzert

„So eine volle Halle hatten wir noch nie“, frohlockte Andreas Nöltner, der Vorsitzende des Gesangvereins „Liederfreund“, zu Beginn des traditionellen Adventskonzertes in Stollhofen. Mehr als 50 Jahre nach seiner Premiere ist das gemeinsame Konzert des Gesangvereins und dem Stollhofener Blasmusikorchester immer noch ein Publikumsmagnet in der ehemaligen Festungsstadt. 

Unter die gut 250 Besucher in der Festhalle mischten sich viele Eltern der neugegründeten Chor-AG, die aus einer Kooperation mit der Grundschule Rheinmünster hervorgegangen ist und deren Chor erstmals das Programm beim Adventskonzert mitgestaltete. Die insgesamt 35 Kinder der Chor-AG und des vereinseigenen Nachwuchsensembles „CHORporation“ unter der Leitung von Melanie Schaan,legten beim „Alle Jahre wieder“ gleich zum Auftakt richtig los. Begleitet von Jakob Schaan auf dem Tenorhorn entwickelten die gesanglich ambitionierten Kinder eine beachtliche Klangfülle. Nach dem „Jingle Bells“ ging es mit Nenas „Sieben Wünsche“ und Playbackbegleitung weiter, bevor der Vereinsnachwuchs bei der Popballade „EternalFlame“ von den Bangels vor allem stimmlich eine reife Leistung ablieferte.

Die Sängerinnen und Sänger des Ensembles „CHORmunity“ blieben ihrer Linie mit zeitgenössischen Kompositionen treu. Aus dem Musical „Hair“ interpretierten sie „Aquarius“ und „Let the sunshine in“. Die musikalische Leiterin, Xenie Petersen-Blahuschek, hatte in den Proben ganze Arbeit geleistet: Die Einsätze kamen überzeugend und die einzelnen Stimmen waren homogen besetzt. Zuvor gab es bei „From a distance“ und Kontrabassbegleitung eher ruhigere Klänge. Dynamisch ansprechend agierte der gemischte Chor bei der alten Weise „Als ich bei meinen Schafen wacht“, während sich das vorhandene Stimmenpotenzial bei Händels „Freuet euch all“ vollumfänglich entfaltete. Beim Finale des ersten Programmteils interpretierten die Ensembles gemeinsamen die Stücke „Top of the world“, das südafrikanischen „Freedom iscoming“, das eher ruhige „Ist es weit bis Bethlehem“ sowie Michael Jacksons „We are the world“.

Der Musikverein unter der Leitung von Michael Fuder eröffnete den zweiten Programmteil klassisch. Aus dem Reportoire der österreichischen Formation „Fegerländer“ stammt die Polka „Wir leben Blasmusik“, die mit melodiösenund ausdrucksstarken Tonfolgen beim Publikum punktete. Ausgesprochen sinfonischen Charakter mit vielen klingenden Akkorden hatte dann die Ouvertüre „Alpine Inspirations“. Dem Komponisten Martin Scharnagl reichte ein einziges, aus vier Sechzehntel- und einer Viertelnote bestehendes Motiv, um ein ganzes Klanggemälde zu kreieren. Das Stück lebte vom ständigen Wechsel der Tonarten und den ungewöhnlich vielen aufeinanderfolgenden Halbtönen, welche die Akteure flüssig und sauber ihren Instrumenten entlockten. Nach der ruhigen Musical-Melodie „All i ask of you“ aus “Phantom der Oper”, wagten sich Gina Bechtold, Lisa Ruschmann und Luca Lang erstmals also Solisten auf die Bühne. Vor gerade mal einem Jahr hatte das Trio mit der erfolgreichen Prüfung für das bronzene Leistungsabzeichen die „Eintrittskarte“ für das Orchester gelöst. Bei „Happy clarinets“, einer aus zwei unterschiedlichen Charakteristiken bestehenden Komposition von Steve Hagedorn, wirkten die Nachwuchsklarinettisten schon sehr abgeklärt und souverän. Tosender Applaus war verdienter Lohn für ein überzeugendes Solistendebüt auf der Stollhofener Konzertbühne. Katharina Nöltner, 22-jährige Tenorhornistin beim Stollhofener Musikverein, gab bei ihrem Bravour-Solo „Andy spielt auf“ mal richtig Gas. Atemberaubend schnelle Sechzehnteltonfolgen und ein zweistimmiges, von Thilo Hauns begleitetes melodiöses Trio bestimmte die Charakteristik dieser Erstaufführung in der Stollhofener Festhalle. Experimentierfreudig zeigte sich Michael Fuder mit der Aufführung der Swing-Polka „Casanova“. Während im ersten Teil der recht flott interpretierten Komposition eher traditionelle Polkaklänge das Geschehen bestimmte, würzte das Orchester die melodischen Linien im zweiten Teil mit swingenden Einwürfen. Nach dem tollen Klanggemälde „Mountain Wind“ mit vielen wohlklingenden Akkorden kamen die Märchenfreunde bei „Cinderella’s Dance“, der Titelmelodie aus „Drei Nüsse für Aschenprödel“ auf ihre Kosten. Der Marsch „Zwischen Himmel und Erde“ sowie weihnachtliche Klänge bildeten ein stimmungsvolles Finale beim Stollhofener Adventskonzert.